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Pressemitteilung zum therapeutischen Reiten

Therapeutisches Reiten: Pferde helfen Kindern

Kindergartenkinder der Kölner LVR-Johann-Joseph-Gronewald-Schule profitieren vom Therapeutischen Reiten / Dauerhaftes Engagement der Provinzial-Stiftung/ Positive Wirkung für Körper und Psyche

Frechen, 11. Juli 2019. Mit glänzenden Augen mistet Leonie den Stall ihres Lieblingspferdes aus. Sie weiß: Erst, wenn das erledigt ist, dürfen sie und die anderen Kinder mit Hörbeeinträchtigung aus dem Kindergarten „Gronewaldzwerge“ auf dem Rücken des Therapiepferdes Lotte reiten. Seit vier Monaten nimmt die Sechsjährige am Therapeutischen Reiten der Kölner LVR-Johann-Joseph-Gronewald-Schule teil. Und obwohl ihr das Reiten am meisten Spaß macht, wie sie gebärdet, macht es ihr genauso viel Spaß, Lotte zu bürsten oder ihren Stall sauber zu machen.
Seit 2014 ist das Therapeutische Reiten fester Bestandteil der therapeutischen und pädagogischen Arbeit an der LVR-Johann-Joseph-Gronewald-Schule. Jede Woche können bis zu zehn Kinder aus dem Schulkindergarten mit dem speziell ausgebildeten Therapiepferd reiten. Ziel der Schule ist es, dass jedes Kind während der Zeit bei den Gronewaldzwergen am Therapeutischen Reiten teilnehmen kann. Die Reitstunden finden auf dem Reiterhof der Gold-Kraemer-Stiftung in Frechen in statt.

„Es macht den Kindern nicht nur Spaß, sie nehmen auch unheimlich viel aus diesen Reitstunden mit“, sagt Dirk Flügel, stellvertretender Schulleiter der LVR-Johann-Joseph-Gronewald-Schule. „Sie lernen Verantwortung zu übernehmen und Rücksicht aufeinander zu nehmen. Außerdem müssen sie ganz schön mutig sein, sich einem so großen Tier zu nähern und ihm zum Beispiel das Fell zu bürsten. Das sind einzigartige Erfahrungen, die die Kinder hier machen können.“
Die Förderschule mit dem Schwerpunkt „Hören und Kommunikation“ ist eine Schule des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), die dieses Angebot vorhält. Insgesamt bieten 28 der 38 LVR-Förderschulen das Therapeutische Reiten an. Es erzielt aufgrund seiner dreidimensionalen Wirkung bei vielen Kindern und Jugendlichen erstaunliche Erfolge.
„Das Therapeutische Reiten ergänzt an vielen Schulen des LVR die therapeutischen Leistungen für Kinder und Jugendliche mit Behinderung“, sagt Prof. Dr. Angela Faber, LVR-Dezernentin Schulen, Inklusionsamt, Soziale Entschädigung. „Oft helfen neue Reize bei Therapieerfolgen. Das Reiten bietet die Möglichkeit, eine dringend notwendige Bewegungstherapie in veränderter Umgebung durchzuführen. So entsteht nicht selten neue Motivation bei den Schülerinnen und Schülern. Die Kinder werden ausgeglichener, zufriedener und für andere Therapien und schulisches Lernen zugänglicher. Das wirkt sich auch positiv auf den Schulalltag aus.“

Ohne die Unterstützung von Sponsoren, gemeinnützigen Stiftungen oder Fördervereinen wäre es nicht möglich, diese wichtige Therapieform anzubieten. Eltern und Fördervereine der Schulen beteiligen sich häufig mit ihren eingenommenen Spendengeldern an den Kosten. Den Großteil der Finanzierung des Therapeutischen Reitens im LVR-Gebiet übernimmt mit 33.000 Euro jährlich die Kultur- und Sozialstiftung der Provinzial Rheinland. „Verantwortung für die Gesellschaft hat für die Provinzial Tradition“, erläutert Martina Hankammer, Sprecherin der Stiftung. „Die Förderung von kulturellen und sozialen Projekten ist für die Provinzial Rheinland immer schon ein wichtiges Thema. Wir nehmen dadurch unsere gesellschaftliche Verantwortung wahr, uns in der Region, in der wir arbeiten und in der unsere Kunden leben, auch zu engagieren. Ein Schwerpunkt ist die Unterstützung des Therapeutischen Reitens der LVR-Förderschulen.“

Was ist „Therapeutisches Reiten“?
„Therapeutisches Reiten“ ist der Oberbegriff für drei fachlich eigenständige Bereiche: Reiten und Fahren als Sport für Menschen mit Behinderung (Sport), Heilpädagogisches Reiten und Voltigieren (Pädagogik, Psychologie) und Hippotherapie (Medizin). Aus physiotherapeutischer Sicht handelt es sich beim therapeutischen Reiten um eine Maßnahme in Ergänzung zu den herkömmlichen bewegungstherapeutischen Behandlungsmethoden. Dabei können bei bestimmten Erkrankungen und Schädigungen des Zentralnervensystems sowie des Stütz- und Bewegungsapparates Effekte und Wirkungen erzielt werden, die mit herkömmlichen krankengymnastischen Behandlungsmethoden oft nicht zu erreichen sind.